Christina über Wahrheit im Fachjournalismus

Interview mit der Chefredakteurin des Fachmagazins Börsenblatts anlässlich der Woche der Meinungsfreiheit 2026

"Was ist wahr?" lautet das Motto der diesjährigen Woche der Meinungsfreiheit (03. bis 10.05.2026). Damit thematisiert die bundesweite Aktionswoche das Spannungsfeld zwischen Fakten, Meinungen und Wahrhaftigkeit. Auch die Rolle der Medien steht dabei zur Diskussion.

Vor diesem Hintergrund haben wir unsere Kollegin und Chefredakteurin Christina gefragt, wie das Team unseres Fachmagazins Börsenblatt sich in diesem Spannungsfeld bewegt.

© Katrin Friedl
  • Welchen Stellenwert hat Wahrheit in den Fachmedien?
    Wir recherchieren gründlich, schreiben so präzise und überprüfbar wie möglich – mit dem Ergebnis, dass wir belastbare Fakten bieten. Diese können unseren Leserinnen und Lesern als Entscheidungsgrundlage dienen oder die Einordnung von Sachverhalten und Entwicklungen ermöglichen. Dabei ist es nicht immer leicht, an Detailinformationen aus der Branche zu kommen, weil manche Unternehmen sehr verschwiegen sind oder ihre Kommunikation stark steuern.
  • Wie findet Ihr heraus, was wirklich wahr ist?
    Der Wahrheit nähern wir uns, indem wir systematisch prüfen. Das beginnt bei den Quellen. Wir nutzen Primär- und Sekundärquellen, z. B. Pressemeldungen, Unternehmenszahlen, Studien oder Marktforschungsergebnisse. Eine wichtige Rolle spielen auch die Personen aus unseren Netzwerken, die wir vertraulich befragen können. Zudem holen wir Stellungnahmen ein oder sprechen mit Betroffenen, um uns ein Bild zu machen.
  • Welchen Meinungen gebt Ihr eine Bühne?
    Bei uns werden Meinungen publiziert, die zur fachlichen Debatte beitragen – nicht zur Erregungskurve. Dabei lassen wir ein breites Meinungsspektrum zu, das auf Fakten basiert und nicht auf Reflexen. Unsere Grenzen liegen dort, wo Aussagen nachweislich falsch, diffamierend oder diskriminierend sind. Grundsätzlich gilt: Meinungen und Kommentare werden bei uns als solche kenntlich gemacht.
  • Wie fließen Eure eigenen Meinungen in die redaktionelle Arbeit ein?
    Unsere eigenen Perspektiven und Erfahrungen spielen natürlich eine Rolle im redaktionellen Alltag. Sie können beeinflussen, welche Themen man für wichtig hält, wie man sich einem Thema nähert oder welche Fragen man in einem Interview stellt. In unseren Redaktionskonferenzen kann es deswegen schon mal kontrovers zugehen, weil glücklicherweise verschiedene Meinungen aufeinandertreffen.
  • Welche Verantwortung habt Ihr gegenüber Euren Leserinnen und Lesern?
    Unsere Leserinnen und Leser müssen sich auf uns verlassen können, gerade wenn sie im beruflichen Kontext Entscheidungen auf Basis unserer Informationen treffen. Im Kern geht es dabei um Vertrauen. Außerdem ist es wichtig, die Branche in ihrer großen Bandbreite abzubilden und die unterschiedlichsten Player zu Wort kommen zu lassen. Auf diese Wiese machen wir auch Interessenskonflikte in der Branche sichtbar.

PS: Michael Lemling, Co-Sprecher der Interessengruppe (IG) Meinungsfreiheit des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hat eine Auswahl lesenswerter Titel zusammengestellt, die Anregungen für Diskussionen gibt und Inspiration für Büchertische, Schaufenster & Co. bietet. Zur Vorschau in VLB-TIX

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