Kristian über Metadaten in Bewegung

Interview mit Kristian über das Metadatenmanagement

Bild von Kristian Kloth
© J. Kloth

Die Art und Weise, wie Menschen nach Informationen suchen, bringt Schwung ins Metadatenmanagement. Einmal aufgesetzte Datensätze reichen nicht mehr aus, um dauerhaft die beste Sichtbarkeit von Produkten zu erreichen. Zunehmend ist fortlaufende Pflege gefragt.

Unseren Kollegen Kristian haben wir gefragt, wie sich diese Dynamisierung auf das Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) und die Standards unserer Branche auswirkt. Er leitet bei MVB das Produktmanagement Metadatenservices.

  • Warum wird die Pflege von Metadaten immer dynamischer?
    Metadaten sind längst nicht mehr nur einfache Katalogeinträge. Sie entscheiden maßgeblich darüber, ob ein Titel im Handel, in Suchmaschinen, in Empfehlungssystemen und auch in KI-gestützten Systemen gefunden, richtig eingeordnet und von Mensch aber auch Maschine richtig verstanden wird.

    Im Produktlebenszyklus eines Buchs können weitere Klassifikationsmerkmale entstehen, Schlagwörter verlieren an Relevanz, andere kommen neu hinzu. Nur wer das abbildet, Metadaten aktualisiert und optimiert, bleibt mit seinen Produkten dauerhaft sichtbar. Im besten Fall können zusätzliche Informationen sogar dazu führen, dass die Produkte neue Zielgruppen erreichen. Gerade wegen des hohen Backlist-Anteils ist dieser Effekt nicht zu unterschätzen. Zur Einordnung: 2025 lag der Anteil der Titel, deren Erscheinungstermin beim Verkauf mehr als zwölf Monate zurücklag, in Deutschland zum Beispiel bei 57 Prozent (Quelle: Media Control).

    Durch Generative Engine Optimization (GEO) kommen zudem neue Anforderungen hinzu: Informationen müssen so strukturiert, klar und inhaltlich tragfähig sein, dass sie von einer KI korrekt eingeordnet und genutzt werden können.

    Wichtig ist jedoch, dass die DNA eines Titels erhalten bleibt. Dieses Kernproblem spiegelt sich in der Branche in der sogenannten Diskussion um den "Brühwürfel" wider: Metadaten müssen kompakt und standardisiert sein, um sie automatisiert verarbeiten zu können. Sie dürfen aber nicht so stark vereinfacht bzw. „komprimiert“ werden, dass der Charakter und die Einzigartigkeit eines Buches verloren gehen.
     
  • Wo steht die Branche dabei gerade?
    Unser Geschäft ist sehr vielfältig und muss dementsprechend auch differenziert betrachtet werden. Insbesondere, wenn man auf die Prozesse, Ressourcen und Datenbestände schaut, die sich in der Vergangenheit sehr unterschiedlich entwickelt haben. Was uns eint ist, dass wir alle spüren, dass der technologische Fortschritt nicht nur neue Möglichkeiten eröffnet, sondern auch die Zusammenarbeit in der Branche verändert und die Frage aufwirft, wie wir in Zukunft Datenqualität, effiziente Prozesse und fachliche Verantwortung sinnvoll verbinden sollten.

    In Bezug auf Metadaten lässt sich klar sagen: Wer Produktinformationen nicht kontinuierlich weiterentwickelt, verspielt wertvolle Sichtbarkeit und Auffindbarkeit. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Datenfelder zu füllen, sondern darum, welche Informationen für Leserinnen und Leser, Handelspartnerinnen und -partner sowie digitale Systeme wirklich relevant und zuverlässig sind.
     
  • Welche Rolle spielen Automatisierungen?
    Die Automatisierung von Prozessen wird immer unverzichtbarer, um die steigenden Anforderungen dieses dynamischen Marktes bewältigen zu können. Ein Tool kann dabei helfen, die Metadaten im Lebenszyklus eines Produktes immer wieder anzupassen und Beschreibungen, Schlagwörter oder THEMA-Klassifizierungen schneller zu erstellen, Lücken zu erkennen und Inhalte zu strukturieren.

    Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist unsere neue Kooperation mit dem Berliner KI-Start-up Snackz. Gemeinsam bringen wir im kommenden Quartal einen "Metadaten-Assistenten" in die Web-Oberfläche des VLB. Auf Basis eines Manuskripts oder eines Exposés ermittelt dieser zukünftig in geschlossener Umgebung Vorschläge für verkaufsunterstützende Metadaten.

    Eines ist uns dabei besonders wichtig. Die Automatisierung darf dabei nicht zum Selbstzweck geraten. Schon immer gilt: Mehr Metadaten bedeuten nicht automatisch bessere Metadaten. So wird auch in Zukunft, bei aller automatischen Optimierung, die Einordnung eines Titels, die fachliche Bewertung und die Verantwortung bei den Expertinnen und Experten im Verlag liegen. Der sinnvolle Weg besteht daher in der Kombination aus maschineller Unterstützung und menschlicher Qualitätskontrolle.
     
  • Warum habt Ihr Euch für eine Kooperation entschieden, anstatt die Technologie selbst zu entwickeln?
    Bei der Entscheidung, ob wir eine Technologie eigenständig oder in Zusammenarbeit mit einem Partner zum Einsatz bringen, folgen wir einem klaren Prinzip: Wir konzentrieren uns auf das, was wir besonders gut können – die Anforderungen des Buchmarkts, seine Daten und die Vernetzung seiner Akteurinnen und Akteure zu verstehen und aktiv mitzugestalten.

    Wenn wir erkennen, dass sich eine Technologie für eine breite Anwendung im Markt bewähren kann, schaffen wir die nötigen Schnittstellen und Kooperationen. So lassen sich Lösungen schneller und praxistauglich in die Branche bringen – und im besten Fall profitieren auch kleinere Marktteilnehmerinnen und -teilnehmer von Entwicklungen, die sie allein nur mit hohem Aufwand nutzen oder die wir nur mit hohem Aufwand bereitstellen könnten. Wichtig ist dabei nicht, jedem neuen Trend hinterherzulaufen, sondern herauszufinden, wo aus einer guten Idee ein solider Standard werden kann.
     
  • Wann wird aus einem Trend ein Standard?
    Ein Trend wird zum Standard, wenn er im Alltag vielen Beteiligten nachweislich einen anhaltenden Nutzen bringt und zuverlässig funktioniert. Dafür braucht es nicht nur Technologie, sondern auch gemeinsames Lernen, klare Qualitätsmaßstäbe und einen offenen Austausch über Erfahrungen. Wir stehen deshalb im intensiven Dialog mit unseren Kundinnen und Kunden und arbeiten eng mit Gremien und Organisationen wie dem VLB-Fachbeirat, der IG Produktmetadaten des Börsenvereins und EDItEUR zusammen.

    Zudem bieten Formate wie der MVB Data Summit im November eine Plattform, um über neue Ideen zu sprechen und diese in unsere Plattformen einfließen zu lassen. Wir wollen keine Standards im Alleingang setzen, das funktioniert nicht. Stattdessen geben wir Orientierung und gestalten Entwicklungen in Zusammenarbeit mit der Branche.
     
  • Wie geht es aus Deiner Sicht weiter?
    Metadaten werden in Zukunft zu einem noch stärkeren strategischen Hebel für Sichtbarkeit und Vermarktung, als sie es heute schon sind. Entscheidend wird sein, die zusätzlichen Möglichkeiten klug zu nutzen und mit sinnvollen Standards, guter Datenqualität und passender Automatisierung die Menschen in der Branche dort zu unterstützen, wo der technologische Fortschritt ihnen Zeit und Muße raubt – für das, worin sie immer am besten und unverzichtbar sein werden: Bücher und ihre Leserinnen und Leser zu verstehen.

PS: Einblicke in die neue Funktion gibt es hier: Der neue Metadaten-Assistent · vlb.de (de)

Weitere Interviews & Einblicke

Der Rote Faden
Jeden Monat aktuelle Neuigkeiten, Ein- und Ausblicke rund um die Arbeit von MVB. Jetzt für den Newsletter anmelden!